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  • Ghana ist hochverschuldet: Das birgt nach der Wahl viele Konflikte

  • BlackandWhite

    Administrator
    7. Dezember 2020 at 13:41

    Ganz gleich, wer gewinnt, es drohen fiskalische Probleme. Das Land war schon vor dem 19. November hoch verschuldet. Der IWF rechnet für dieses Jahr mit einem Haushaltsdefizit von 16,4% des BIP, dem höchsten in Afrika südlich der Sahara. Doch die Versprechen, die Ausgaben zu kürzen, waren auf dem Wahlkampfpfad knapp bemessen.

    The Economist heute

  • BlackandWhite

    Administrator
    7. Dezember 2020 at 13:45

    GHANA

    HAT GHANA EIN SCHULDENPROBLEM?

    Ghana hat vor allem im Zusammenhang mit den Investitionen zur Erschließung der Öl- und Gasfelder vor seiner Küste in den letzten Jahren in großem Stil Kredite im Ausland aufgenommen. Infolge des dadurch anhaltenden Leistungsbilanzdefizits sind einige Schuldenindikatoren dramatisch angestiegen. Seit Anfang 2015 attestiert der Internationale Währungsfond (IWF) dem Land ein „hohes“ Überschuldungsrisiko.

    Zu etwas mehr als der Hälfte bestehen Ghanas Auslandsschulden aus Verbindlichkeiten gegenüber dem öffentlichen Sektor. Dabei spielen multilaterale Geber, insbesondere die Weltbank, der IWF und die Afrikanische Entwicklungsbank, eine bedeutendere Rolle als bilaterale Geber.

    Unter letzteren hat sich in den letzten Jahren eine bedeutende Verschiebung weg von Entwicklungshilfekrediten und hin zu kommerziellen Finanzierungen ergeben. Dies ist einer der Hauptgründe für den Anstieg des Schuldendienstes auf mehr als das Zweieinhalbfache gegenüber 2015. Von den von der Weltbank ausgewiesenen Schulden aus der Entwicklungszusammenarbeit in Höhe von 701 Millionen US-Dollar beansprucht der Pariser Club für seine Mitglieder 899 Millionen. Das heißt: Wie in zahlreichen anderen Ländern stimmen die Zahlen, die die Weltbank vom Schuldner erhält, nicht mit denen überein, die der Gläubigerclub in Paris bei seinen Mitgliedern abfragt. Bei den nicht-konzessionären Schulden aus öffentlich verbürgten (und entschädigten) Handelsgeschäften beansprucht der Pariser Club mit 353 Millionen von insgesamt ausgewiesenen 2,911 Milliarden US-Dollar nur einen bescheidenen Teil. Deutschland hält Forderungen aus der (neueren) Entwicklungszusammenarbeit in Höhe von 210 Millionen Euro an Ghana. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um neue Finanzierungen nach der Entlastung Ghanas unter der Initiative für hochverschuldete arme Länder (engl. Heavily Indebted Poor Countries Initiative, HIPC) und der Multilateralen Entschuldungsinitiative (engl. Multilateral Debt Relief Initiative, MDRI) in den Jahren 2002 und 2005. Nach seiner Graduierung zum Mitteleinkommensland ist Ghana eines der wenigen (ex-)HIPC-Länder, welche aus Deutschland zinsgünstige Kredite anstelle von Zuschüssen erhalten.

    Wichtigster bilateraler Gläubiger dürfte China sein, das von 2000 bis 2017 mit Auszahlungen in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar (überwiegend zu Marktkonditionen) rund 14 Prozent der gesamten ghanaischen Kreditaufnahme in dieser Zeit finanziert hat.

    Die andere Hälfte der Auslandsschulden besteht gegenüber kommerziellen Gläubigern, also Banken und Anleihegläubigern. Dies sind Schulden zu „harten“ Bedingungen, d.h. marktüblichen Zinsen und kurzen Laufzeiten. Als eines der ersten unter der Entschuldungsinitiative HIPC/MDRI entlasteten Länder platzierte Ghana schon 2007 eine öffentliche Anleihe (in Höhe von 750 Millionen US-Dollar) am Kapitalmarkt. Seit 2013 ist Ghana in großem Stil am Anleihemarkt aktiv. Platzierte Staatspapiere stiegen inzwischen um mehr als fünf Milliarden US-Dollar. Die Zinssätze auf die ausstehenden Anleihen liegen in einer Größenordnung von 10 Prozent und damit auch im afrikanischen Vergleich hoch.

    Rund die Hälfte der öffentlichen Schulden Ghanas besteht gegenüber inländischen Banken und anderen Kreditgebern. Die auf die Cedi-Verbindlichkeiten zu zahlenden Zinsen (der Cedi ist die offizielle Währung Ghanas) gehören zu den höchsten in Westafrika.

    TREND

    Ghanas Auslandsschulden haben sich seit 2008 verfünffacht. Dabei sind die Verbindlichkeiten gegenüber allen Gläubigergruppen deutlich gestiegen. Innerhalb der Gruppe der bilateralen öffentlichen Gläubiger hat es – vor allem infolge kommerzieller Finanzierungen aus China – eine starke Verschiebung von konzessionären zu marktmäßigen Finanzierungen gegeben.

    Trotz des nach 2015 wieder anziehenden Ölpreises nach einem heftigen Einbruch der Exporteinnahmen 2013-2015 schlägt sich der Anstieg des laufenden Schuldendienstes in einem deutlichen Anstieg des Schuldendienstquotienten nieder, der erstmals wieder Größenordnungen erreicht, welche vor 20 Jahren für eine Qualifizierung zum Schuldenerlass unter der HIPC-Initiative gereicht hätten.

    BISHERIGE SCHULDENERLEICHTERUNGEN FÜR GHANA

    Ghana hat 2002 den Decision Point unter der multilateralen HIPC-Initiative erreicht und 2004 den Completion Point. Nominale 7,4 Milliarden US-Dollar wurden am HIPC-Completion Point und im darauffolgenden Jahr unter der MDRI gestrichen, was den zweitgrößten nominalen Schuldenerlass aller HIPC-Länder bedeutet.

    Zuvor hatte Ghana 1996 unter Classic Terms eine Umschuldung ohne Teilerlass und 2001 eine kleinere Umschuldung mit einem Erlasselement von 67 Prozent (Naples Terms) auf die relativ bescheidenen umgeschuldeten Fälligkeiten erhalten.

    China hat 2003 bis 2007 in drei Schritten insgesamt rund 240 Millionen US-Dollar Forderungen an Ghana gestrichen und damit in etwa seinen Beitrag zur HIPC-Entschuldung erbracht.

    Nach der HIPC-Entlastung lagen bis 2017 alle Auslandsschuldenindikatoren Ghanas im unkritischen Bereich. 2018 stieg der Schuldendienstquotient dann sprunghaft wieder über die kritische Grenze von 15 Prozent.

    AKTUELLE RISIKEN FÜR DIE SCHULDENTRAGFÄHIGKEIT

    Ghana hat sich eine bemerkenswerte politische Stabilität unter anderem auch durch relativ hohe öffentliche Ausgaben erkauft, welche besonders in Wahljahren regelmäßig stark angestiegen sind. Aktuell liegen die gesamten öffentlichen Schulden im deutlich kritischen Bereich, und in jedem Wahlzyklus weist der IWF erneut (meist vergeblich) auf die Gefahren für die fiskalische Stabilität durch eine allzu großzügige Ausgabenpolitik hin.

    Ghana weist einen mittleren Klimarisikoindex auf. Mit derzeit 24 Corona-infizierten Personen ist die Pandemie in Ghana aktuell (Stand März 2020) noch keine größere Bedrohung. Allerdings wird Ghana den infolge der Nachfrageschwäche aus China und den traditionellen Industrieländern eingebrochenen Ölpreis deutlich spüren. Öl macht aktuell 17 Prozent der ghanaischen Öleinnahmen aus. Gedämpft wird dieser Effekt durch den in der Krise stabilen Goldpreis.

    Lokale Beobachter*innen kritisieren, dass Ghana mit den Formen, die seine Öl- und Gasvorkommen ausbeuten, zu starre, Überproduktion begünstigende Verträge geschlossen hat.

    POLITISCHE EMPFEHLUNGEN

    Ghana ist der geradezu klassische Fall einer extraktivistischen Ökonomie, die durch Preisveränderungen für seine Rohstoffe, auf die es kaum Einfluss hat, in Schwierigkeiten gerät. Das Land sollte sein wegen der friedlichen Machtwechsel und der innenpolitischen stabilen Situation hohes politisches Gewicht für internationale Initiativen in Richtung auf neue Entschuldungsmöglichkeiten für solche Länder in die Waagschale werfen.

    WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN UND MATERIALIEN:Rollenspiel “Ghana – ein für alle Mal ein Musterland?” in “Schuldenkrisen treffen Menschen – Aktivitäten für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit” (Stand März 2020)

    mehr auf:

    Ghana – erlassjahr.de

    zu der Initiative: START » ÜBER UNS » MISSION STATEMENT

    erlassjahr.de will erreichen…

    …dass arme Länder bei künftigen Schuldenkrisen in einem fairen und transparenten Verfahren Schuldenerlasse erhalten können – statt weiterhin von Gnade und Einsicht ihrer Gläubiger im Einzelfall abzuhängen; …dass Auslandsschulden, die unter Missachtung internationaler Rechtsstandards zustande gekommen sind und die die Erreichung von international vereinbarten Entwicklungszielen verhindern, gestrichen werden; …dass Standards für verantwortliche Kreditvergabe und Kreditaufnahme entwickelt und durchgesetzt werden, um die gemeinsame Verantwortung von Gläubigern und Schuldnern festzuschreiben.

  • BlackandWhite

    Administrator
    7. Dezember 2020 at 13:47

    Staatsverschuldung von Ghana in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2025

    Veröffentlicht von Bruno Urmersbach, 12.11.2020

    Im Jahr 2019 beträgt die Staatsverschuldung Ghanas geschätzt rund 62,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für das Jahr 2021 wird die Schuldenquote von Ghana auf rund 74,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts prognostiziert. Die Statistik zeigt die Staatsverschuldung von Ghana im Zeitraum 1990 bis 2018 und Prognosen bis zum Jahr 2025 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP).

    Die Angaben beziehen sich auf den Gesamtstaat und beinhalten die Schulden des Zentralstaats, der Länder, der Gemeinden und Kommunen sowie der Sozialversicherungen. Die Staatsverschuldung wird in absoluter Höhe der Landeswährung ausgedrückt. Die Schuldenquote/Staatsschuldenquote bezeichnet das Verhältnis der Staatsverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Übersteigen die Staatsausgaben die Staatseinnahmen, wird dies als Haushaltsdefizit bezeichnet (Gegenteil: Haushaltsüberschuss).

    Ghana – Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2025 | Statista

  • BlackandWhite

    Administrator
    9. Dezember 2020 at 6:06

    Ghana ist wieder voll in die Weltwirtschaft integriert. Mehr als 30 Jahre klassische IWF-Strukturanpassungsprogramme und ambitionierte Entwicklungsprojekte der einschlägigen internationalen Gebergemeinschaft haben das einst abgewirtschaftete ‚Kleinod‘ an der Goldküste wieder auf Kurs gebracht. Doch noch immer dominieren die wichtigsten Exportgüter Gold, Kakao und Edelhölzer die Wirtschaft, und Ghana gehört auch weiterhin zum Kreis wichtiger Gold- und mit mehr als 20% Weltmarktanteil zu den bedeutendsten Kakaoproduzenten, ohne dass Kakao oder Schokolade als veredelter Rohstoff konsumiert wird. Erst ganz langsam finden sich Ghanaer, die hochwertige Schokolade herstellen und somit Wertschöpfung im eigenen Land betreiben. Noch aber werden die Preise dieser beiden Rohstoffe an den Börsen in den westlichen Metropolen festgelegt, jede größere Schwankung wirkt sich direkt auf Ghanas Wirtschaft aus und bleibt wohl bis auf weiteres eine Achillesferse der ghanaischen Wirtschaft. So fiel der Goldpreis gegen Ende des Jahres 2015 auf etwa US-$ 1.063, stieg aber auf Grund der wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie zwischenzeitlich auf US-$ 1.674 (Anfang März 2020). Gegen Ende März fiel der Kurs auf US-$ 1.629, um dann aber in einer historischen Rally im August 2020 die Marke von US-$ 2.000 zu übersteigen. Anfang November 2020 lag der Preis bei US-$ 1.878. Das Land erntete aber internationales Lob vom Revenue Watch Institute für seine teils vorbildliche Regelung und Handhabung des Bergbausektors. Inzwischen zeichnet sich ab, dass Ghana zum größten Goldproduzenten Afrikas aufgestiegen ist und damit Südafrika überholt hat. Langfristig wird der Erdölexport wertmäßig den Goldexport wohl ablösen, auch wenn sich die Weltmarktpreise im Jahresdurchschnitt 2017 nur zwischen US-$ 50 und 60 pro Barrel bewegten. Gegen Jahresende 2018 stabilisierte sich der Preis bei US-$ 60. Zum Jahresbeginn 2020 stieg der Ölpreis für hochwertiges Öl auf 68 US-$ an. Bis Mitte Februar aber fiel er wieder deutlich unter die US-$ 60 Marke und Anfang März auf Grund der globalen COVID-19 Krise sogar auf US-$ 50. Innerhalb kurzer Zeit brach der Ölpreis dann ein und notierte gegen Ende März nur noch etwa US-$ 23. Anfang Mai 2020 erholte sich der Ölpreis für hochwertiges Rohöl etwas, blieb aber dennoch deutlich unter US-$ 30. Erst Anfang Juni 2020 stieg der Ölpreis wieder an, mäanderte und lag Anfang November 2020 an den Börsen bei 38 US-$. Dabei hat die Erdölförderung und Erdgasproduktion vor der Küste gerade erst begonnen. Ein Blick nach Nigeria und Angola genügt, um zu sehen, was die Ressource Energierohstoff im Golf von Guinea an tief greifenden Verwerfungen anrichten kann. Die Ölvorkommen belaufen sich nach aktuellen Kenntnissen auf 660 Millionen Barrel. Das anfangs überambitionierte Produktionsziel von 120.000 Barrel pro Tag musste zunächst auf ca. 80.000 Barrel reduziert werden. Im August 2016 begann die Ausbeutung eines weiteres Ölfelds (TEN), das anfangs etwa 20.000 Barrel pro Tag lieferte. Nach Beendigung der maritimen Grenzstreitigkeiten im Fördergebiet mit dem westlichen Nachbarn Côte d’Ivoire im September 2017 und den gestiegenen Ölpreisen konnte Ghana seine Investitionen und Explorationen ausweiten und die Produktion inzwischen auf 180.000 Barrel pro Tag erhöhen.
    LIPortal » Ghana » Wirtschaft & Entwicklung – Das Länderinformationsportal

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