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News Feed Forums Forum für Gerechtigkeit und Frieden in Westafrika Nigeria: Hashtag #EndBadGovernance wurde bereits 1,8 Millionen Mal geteilt

  • Nigeria: Hashtag #EndBadGovernance wurde bereits 1,8 Millionen Mal geteilt

  • BlackandWhite

    Administrator
    20. Oktober 2020 at 23:30

    Seit zwei Wochen demonstrieren in Nigeria die Bürger gegen Polizeigewalt und Willkür. Die Wut entzündete sich Anfang Oktober an einem Video, das zeigt, wie Angehörige der berüchtigten Polizeieinheit «Special Anti-Robbery Squad» (Sars) einen jungen Mann aus einem Hotel schleppen und erschiessen. Mit dem Hashtag #EndSARS gingen die Aufnahme, die Empörung und die Protestaufrufe in den sozialen Netzwerken rasch um die ganze Welt. Prominente wie der Twitter-Gründer Jack Dorsey, der Fussballer Mesut Özil sowie die Musiker Kanye West und Wizkid solidarisierten sich mit dem Aufstand.

    Auch im Ausland gab es Demonstrationen, vor allem in London. Offenbar fürchtete die nigerianische Regierung einen Imageschaden; überraschend schnell gab der 77-jährige Präsident Buhari bekannt, die Vorfälle würden untersucht, Sars werde aufgelöst und durch eine neue Einheit namens Swat ersetzt. Auch kündete er die Freilassung aller verhafteten Demonstranten an. Trotzdem dauern die Kundgebungen an, breiten sich im ganzen Land aus und richten sich zunehmend nicht mehr nur gegen die Polizeigewalt, sondern generell gegen die verbreitete Korruption, die Willkür und die Armut in Nigeria, Afrikas grösstem Ölproduzenten. So wurde der neue Hashtag #EndBadGovernance bereits 1,8 Millionen Mal geteilt. Interessanterweise fordern die Demonstranten unter anderem – im Zusammenhang mit der Korruption – eine Lohnerhöhung für die Polizei. Am Montag legten die Protestierenden die Metropole Lagos mit ihren 20 Millionen Einwohnern mitsamt dem internationalen Flughafen praktisch lahm und verursachten noch grössere Staus, als sie sonst schon üblich sind.

    Es gab schon früher Proteste gegen die Brutalität der Polizei, aber normalerweise dauerten sie nur ein paar Tage an. Dieses Mal ist es anders; und es sieht ganz danach aus, als ob sie noch zunehmen würden. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International warnen inzwischen vor einer Eskalation. Sie verweisen auf die exzessive Gewalt, die gewisse staatliche Sicherheitskräfte gegen die Demonstrierenden anwendeten. Am Montagnachmittag beschloss der Gouverneur von Lagos, dem Gliedstaat mit der gleichnamigen 20-Millionen-Metropole, angesichts der zunehmenden Gewalt eine 24-stündige Ausgangssperre.

    Vielleicht wurde die Bewegung auch befeuert durch die Wirkung der «Black Lives Matter»-Demonstrationen, die monatelangen Proteste der Demokratiebewegung im Sudan oder den Sturz des malischen Präsidenten im Gefolge von Massenkundgebungen. Gerade erst feierte Nigeria 60 Jahre Unabhängigkeit. Aber wenn man sich anschaut, wie wenig der bevölkerungsreichste Staat Afrikas aus seinen enormen Ressourcen gemacht hat, ist die Frage eigentlich nicht, warum es jetzt zu diesem Ausbruch kollektiver Frustration kommt, sondern warum der Aufstand nicht schon viel früher stattfand.

    https://www.nzz.ch/international/nigeria-proteste-gegen-regierung-weiten-sich-aus-ld.1582531

    • This discussion was modified 7 months, 4 weeks aktiv. by  BlackandWhite.

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